Cäsar Flaischlen

Ehrungen

 

Die Städte Berlin, Ellwangen, Frankfurt, Göppingen, Heilbronn, Ingelfingen, Leonberg , Marbach und Stuttgart haben Straßen und Wege nach Cäsar Flaischlen benannt:

Cäsar-Flaischlen-Straße
70192 Stuttgart … GoogleMaps
71672 Marbach … GoogleMaps
73033 Göppingen … GoogleMaps

Cäsar-Flaischlen-Weg
71229 Leonberg … GoogleMaps
73479 Ellwangen an der Jagst … GoogleMaps

Flaischlenstraße
13129 Berlin … GoogleMaps
60529 Frankfurt am Main … GoogleMaps
74072 Heilbronn … GoogleMaps
74653 Ingelfingen … GoogleMaps

 

 

Visitenkarte aus der Berliner Zeit

Berlin

Die Flaischlenstraße befindet sich in 13129 Berlin-Blankenburg (ehemaliger Bezirk Weißensee). Die ehemalige Römerstraße wurde am 9. Juni 1933 nach Flaischlen umbenannt. Am 7. Juni 1957 erhielt der nördliche Teil der Flaischlenstraße jenseits der Bahnlinie die Bezeichnung Straße 100.

Aus: Cäsar Flaischlen: Jost Seyfried.,
Zweiter Band – Kapitel 36:

Was heißt denn: gesunde schwäbische Natur! Was kann ich denn mit einer gesunden schwäbischen Natur Besseres anfangen, als sie da in den Kampf stellen, wo wenigstens die Möglichkeit gegeben ist, sie zu beweisen! Wozu hab ich sie denn? was soll ich sonst damit!
Was wollen sie denn, diese Muckermänner?!
Was sie vorzubringen wissen, ist immer nur: Berlin verderbe und löse auf und zersetze!
Zum Kuckuck aber: ich hab doch auch so was wie ein Gehirn im Kopf und sehe damit selber, wie Berlin zersetzt und zerfetzt! zehn, fünfzehn Jahre lang schon! jeden Tag! und ich seh es nicht bloß, ich fühls und leids! am eigenen Leib! jeden Tag! jede Stunde! und … ich bin trotzdem hier!
und . ich . bin. trotzdem . hier! Ja, ich bin sogar nur deshalb hier, Herr Hofrat! in allem Ernst, ich . bin . nur . deshalb. hier! wozu hab ich denn mein Leben?! wozu bin ich auf der Welt?!
Berlin ist nicht bloß Berlin!
es soll auflösen! es soll zersetzen! ich will nicht, was nicht Stich hält, wenns drauf ankommt! es soll alles brechen, was es brechen kann! ich bin nur deshalb hier!
Den letzten Grundkern kanns mir doch nicht packen! der ist stärker! der ist Granit!
Wem nur darum zu tun ist freilich, ein freundliches Leben zu haben oder eine Rolle zu spielen oder Schultheiß zu werden oder Hofrat …
der braucht nicht in Berlin zu sein! er hat das überall anderswo leichter!
aber diesen Ehrgeiz hab ich nie gehabt! mein Ehrgeiz war immer nur der Ehrgeiz meiner Sache!
meine Sache aber und was ich will, muß die Kraft haben, auch in Steinboden Wurzel zu fassen, und soll sich da erproben und bewähren, wo der Kampf am schwersten … denn es ist alles nur so stark als sein schwächster Punkt!
>Meine Sache muß siegen!
und lieber drum in Rom der Letzte, als auf einem Dorf der Erste! am runden Tisch im goldnen Lamm kann Jeder Bismarck sein!
Was wollen sie denn diese Muckermänner?!

 

Gymnasium und evang. Kirche Ellwangen, Ansichtskarte, 1907

Ellwangen

1871 zog die Familie Flaischlen von Stuttgart nach Ellwangen, wo der Vater als Bezirkskommandeur, kurz darauf als Major bis zu seiner Erblindung (1875) wirkte. Cäsar Flaischlen besuchte dort bis zur vierten Klasse die Schule, wechselte dann 1877 auf das Stuttgarter Karlsgymnasium. In „Cäsar Flaischlen, Beitrag zu einer Geschichte der neuen Literatur“ schildert Georg Muschner-Niederführ 1903 Kindheit und Knabenjahre Flaischlens.

Cäsar Flaischlen

Als Siebzehnjähriger beschreibt Cäsar Flaischlen den Ort seiner Kindheit (1884 veröffentlich in „Nachtschatten“):

.. Wenn du fremd wärest
und dich verirrt hättest auf der Reise
in diese weltabgelegene Gegend,
du würdest Rast halten
und es würde dir gefallen,
das alte Städtchen, mit seinen braunen
hochgiebeligen, engverbauten Häusern
und seinen winkeligen, schmalen
Durchgängen und Gäßchen.
Die graue Pfarrkirche drüben
mit den Ecktürmchen
und vielen Fensterchen
und dem silberhellen Glockenspiel Sonntag morgens.
Das alte, baufällige Rathaus am Marktplatz,
der künstliche, immerlaufende Brunnen im Hof,
die alten Mauertrümmer
und die blühenden Gärten davor
und die Lindenallee
rings um das Städtchen
und auf dem Berg das alte Schloß
und die Wallfahrtskirche
mit ihren schlanken, weißen Türmen

Gewiß, wenn du aus der Ferne kämst
und wärest fremd,
gewiß, es gefiele dir bei uns
so gut, wie anderswo.
… Vielleicht … besser …

Wer war eigentlich… Cäsar Flaischlen, nach dem eine Straße auf der Wolfgangshöhe benannt ist?

Ein Dichter „mit Güte und Liebe“

Auf der Wolfgangshöhe, abzweigend von der Hohenstaufenstraße, verläuft der Cäsar-Flaischlen-Weg, eine ruhige Wohnstraße mit nur wenigen Einfamilienhäusern. Wer war eigentlich Cäsar Flaischlen? Welche Beziehungen hatte er zur Stadt Ellwangen?

Von Rudolf Grupp

„ELLWANGEN. Bei Frauenarzt Dr. Wolfgang Schmid haben sich glücklicherweise noch einige Unterlagen gefunden, die Antwort geben können, wer Cäsar Flaischlen war. Er wurde 1864 in Stuttgart geboren. Sein Großvater war evangelischer Pfarrer, sein Vater Berufs-Soldat, („eine kernige Soldatennatur“), seine Mutter eine dichterisch veranlagte Frau, die in ihn „Güte und Liebe, Wahrhaftigkeit, Reinheit und Treue“ pflanzte, wie es in der Grabrede hieß.

In Ellwangen, im Haus Marienstraße 22 verbrachte Cäsar Flaischlen einen großen Teil seiner Jugend. Noch an seinem späteren Wohnort Berlin erinnerte sich Cäsar Flaischlen gerne an die Ellwanger Zeit: „Es ist meine ganze Kindheit, die sich mit Ellwangen verknüpft, mein erstes Erwachen zum Menschen, Eindrücke und Erinnerungen, auf denen mein ganzes Leben sich aufbaute“. Das Haus wurde später von der Familie Schmid erworben: der Vater von Dr. Wolfgang Schmid war praktischer Arzt.

Cäsar Flaischlen war zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein viel gelesener Schriftsteller und Dichter. Mit „Hab Sonne im Herzen“ wurde er weit bekannt, auch auf zahlreichen Vortragsreisen. Er war der „wahrheitssuchende Mensch des Alltags, der seine Mitmenschen trösten und aufwärts reißen wollte“.

In der Grabrede des Stadtpfarrers Geißer aus Künzelsau hieß es noch sehr emphatischer: „Es war ihm ein heiliges Muss, mit der vollen Kraft seiner Seele, mit der ganzen Glut seines Herzens sein Volk zu heben und zu führen aus dem dumpfen Alltag auf die lichten Höhen froher, freier Menschlichkeit und ihm Sonne ins Herz und Eisen ins Blut zu geben.“

Cäsar Flaischlen ist am 16. Oktober 1920 im Sanatorium Schloss Hornegg bei Gundelsheim am Neckar an einer Lungenkrankheit gestorben. Die letzten Wochen seines Lebens sind von seiner Frau Dillie (Edith) aufgeschrieben worden. In Berlin und an anderen Orten wurden „Cäsar-Flaischlen-Gesellschaften“ gegründet, die aber im Strudel der Inflation den Druck des Nachlasses nur schwierig finanzieren konnten. Begraben ist Cäsar Flaischlen an seinem Heimatort Stuttgart.“

SP vom 11. August 2005 mit freundlicher Genehmigung der Schwäbischen Post
Siehe auch: Berühmte Schüler des Ellwanger Gymnasiums, Quelle: Festschrift (von 1958) „300 Jahre Peutinger-Gymnasium in Ellwangen (Jagst)“, Verfasser: Dr.Franz Fischer (1912 – 1997).

 

Göppingen

Auszug aus dem Sonderdruck „Taufpaten für Göppingens Straßen“, der auf die Artikelserie der Göppinger Kreisnachrichten aufbaut, die von Ende Mai 1977 bis Ende November 1979 in der NWZ, erschienen ist. Idee und Text: Fritz Eisenmann.

„… Im 1. Weltkrieg sollen Flaischlens Gedichte und Romane zu der Haupt-Schützengrabenlektüre der geistig interessierten deutschen Jugend gehört haben, denn unseren literaturbeflissenen Altvorderen galt der als Sohn eines Majors am 12. Mai 1864 in Stuttgart geborene Cäsar Flaischlen als einer der größten Dichter deutscher Zunge. Auch Bundespräsident Heuss (*1884 † 1963) hat ihn noch sehr geschätzt, „diesen Poeten des heiteren Glanzes und der reinen Rhythmen, dem die Gleichsetzung von Dichtertum und Menschentum eine entscheidende Parole bedeutete“. Uns Heutigen aber ist Flaischlen nahezu gänzlich unbekannt.
Nach der Schule lernte Flaischlen Buchhändler und war in diesem Beruf auch in Brüssel und Bern tätig. Dann studierte er in Berlin, Heidelberg und Leipzig, machte seinen Dr. phil. und zog 1891 nach Berlin. Dazu eine Bemerkung von ihm: „In Stuttgart blüht mein Lorbeer nimmermehr, Berlin ist die Stadt der Jugend.“ In der Reichshauptstadt redigierte er von 1895 bis 1900 die Kunstzeitschrift „Pan“, die in 21 Heften erschien. Das gilt aus heutiger Sicht als Flaischlens bedeutendste Leistung: Mit „Pan“ habe er die moderne und anspruchsvolle Kunstzeitschrift für Deutschland geprägt und durchgesetzt.
Eine zeitgenössische schwäbische Literaturgeschichte hatte sowohl zum Berlin-Aufenthalt als auch sonst zu Flaischlen Kritisches anzumerken:

„In Berlin hat er sich der herrschenden Strömung in die Arme geworfen. Doch verleugnet er in seinen literarischen Schaffen sein Schwabenthum nicht ganz, hat er sich doch mehrfach mit schwäbischer Literaturgeschichte beschäftigt und ein Bändchen schwäbischer Dialektpoesie auf den Markt gebracht. Bei entschiedenem Talent und hohem Streben läßt er zu sehr die Festigkeit der Ruhe, Sicherheit und Reife des fertigen Künstlers vermissen.“

Sein am berühmtesten gewordenes Gedicht „Hab Sonne im Herzen“ werten heute Kritiker als „lyrischen Slogan der Epoche des Plüschs und der wilhelminischen Pickelhaube“. Doch neben „solcher gleichsam handgewirkter Poesiealbumdichtung“ habe er ein halbes Dutzend Gedichte von bleibendem Wert geschaffen, etwa „Das Lied von der letzten Rose“ und „Wassergang“, seine Mundartgedichte sind in den Bändchen „Vom Haselnußroi“ und „Von derhoim und drauße“ gesammelt. Daneben schrieb der vom Naturalismus ausgehende Flaischlen noch – heute ebenfalls vergessene – Dramen und Romane wie Jost Seyfried“ und lieferte literaturhistorische Arbeiten. Am 20. Oktober 1920 starb Flaischlen in Gundelsheim, und begraben ist er, dessen Werk in sechs Bänden nach seinem Tod erschien, in einem Ehrengrab auf dem Stuttgarter Pragfriedhof.“

Ehren-Schlaraffe: Dr. Cäsar Flaischlen wurde postum zum Ehren-Schlaraffen bei der Vereinigung Schlaraffia Reych Nr. 268 „Am Stauffen„, Göppingen, ernannt. Er hat dort den Namen (Ritter) Jost Seyfried.
Bei Schlaraffia werden Ehren-Schlaraffen gerne rezitiert, so z. B. Heinz Erhardt (ES Alberich von Schalk), Hermann Löns (ES Mümmelmann), Robert Stolz (ES Servus Du), Johann Wolfgang von Goethe (ES Faust), Friedrich von Schiller (ES Funke), oder Peter Paul Rubens (ES Malerfürst).

 

Heilbronn

Info des Stadtarchivs Heilbronn: Die frühere Kernerstraße im Heilbronner Stadtteil Böcking wurde am 7. Oktober 1938 in Flaischlenstraße umbenannt.

 

Cäsar-Flaischlen-Gedächtnis-Feier 1920 in Heilbronn

Programmblatt zu einem Familien-Abend der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) (Cäsar Flaischlen-Gedächtnis-Feier) am 21. November 1920 im Heilbronner Hotel Falken (Winzerhaus), einen Monat nach Flaischlens Tod.
Vortragsfolge:
Nachtzauber, Männerchor (Storch)
Sonate E-moll Nr. 4 für Violine und Klavier (Mozart)
Dichtungen von Cäsar Flaischlen
Ich möcht still am Wege stehn (Haas), Den Kopf hoch (Haas)
Vortrag über Cäsar Flaischlen
Dichtungen von Cäsar Flaischlen
Die Heimat, Männerchor (Fischer)
An die Musik (Schubert), Komme bald (Brahms), Feldeinsamkeit (Brahms)
Scherzo (Dittersdorf), Chanson Louis XIII und Davanne (Coubertin), Altwiener Tanzweisen (Kreisler)
Das Klosterfräulein (Silcher)
Die Nacht (Abt)

 

Ingelfingen

Der Literat verbrachte in Ingelfingen seine beiden letzten Lebensjahre, bevor er in Gundelsheim verstarb. Er wohnte von 1918 bis 1920 im Neuen Schloß.

Auszug aus dem Buch
„Das Ingelfinger Schloss – einst Residenz, heute Rathaus“ Die Autoren sind: Rainer Gross, Heinrich Ehrmann, Wolfgang Kunzfeld, Walther-Gerd Fleck. Ein besonders schönes Buch in aufwendiger und kreativer Bearbeitung über die bunte Geschichte des Ingelfinger Schlosses und der Menschen, die in und um das Schloss gelebt haben. 130 Seiten mit 150 Abbildungen, vielen Fakten, interessanten Daten, Karten- und Originalbildmaterial, auch von Vereinen und aus privaten Händen.

„… Fast hundert Jahre gingen ins Land, ehe wieder ein berühmter Dichter Ingelfingen für sich entdeckte. Die Rede ist von Dr. Cäsar Flaischlen (1864 – 1920), dem schwäbischen Dichter und Literaten, der sich in der Berliner Literaturszene um 1900 etabliert hatte. Als Rezensent und als Herausgeber der Literaturzeitschrift „Pan“ war er bekannt geworden. Berühmt wurde er durch seine Gedichte. Diese trafen so genau die Erwartungen und Bedürfnisse der Leser und Leserinnen, dass sie viele Auflagen erreichten. Flaischlens Botschaft würde man heute als Aufforderung zum positiven Denken verstehen, und diese Botschaft war im Ersten Weltkrieg besonders gefragt. Die sehr populäre Feldausgabe seiner Gedichte gelangte im Tornister der Soldaten an die Front. An der Heimatfront war Flaischlen unermüdlich tätig mit Vorträgen und Lesungen, in denen er Trost und Ermutigung durchaus auch im nationalen Tone vermittelte. Man wird dem Autor nicht gerecht, wenn man ihn als deutsch-national und seine Gedichte als trivial abtut. Flaischlens Werke sind unpolitisch und sprechen von Freud und Leid und dem hohen Wert der Menschlichkeit.
Mehrfach machte er Urlaub in Ingelfingen. 1919 mietete er sogar eine Wohnung im Schloss. Leider starb er schon am 16. Oktober 1920 in Gundelsheim. Seine Frau verfasste einen Nachruf auf ihren Mann, in dem das Kochtertal als abgelegene Landschaft der Stille beschrieben wird:

Als es Sommer wurde, wollten wir – wie schon im Vorjahr – wieder nach unserem lieben Ingelfingen. Cäsar bedurfte der inneren Ruhe. Er hatte im Winter viele anstrengende Vortragsreisen gemacht – es war Zeit, daß er sich Muße gönnte … Der Zug rollte endlich davon, in die Nacht hinaus, und als der Morgen graute, waren wir schon in Würzburg, und am frühen Nachmittag fuhren wir bei herrlichstem Sonnenschein in einem offenen Wägelchen durchs liebliche Kochertal, Ingelfingen zu.
Im alten hohenlohischen Fürstenschloss hatten wir einige Zimmer inne. Sie waren festlich und sommerfroh geschmückt, das neue Speisegeschirr stand auf dem Tisch, und im Bügelzimmer begann ein Schwalbenpaar zu nisten.
Sonst war alles, wie es immer war.
Der Brunnen im Schlosshofe plätscherte, die Rathausuhr schlug, still zog der Kocher seine Bahn, und die Sonne lachte. Jeder Tag war selig schön, und Cäsars Nerven fingen an sich zu beruhigen. Vormittags badeten wir öfters im Fluss, nachmittags gingen wir auf die Höhe, durch den Wald, er immer mit Gedichtblättern in der Tasche. Oft wanderten wir auch im Mondschein am Kocher entlang, nach Criesbach zu.
… Es gab auch allerlei Abwechslung: Besuch aus Berlin, Dresden, Heidelberg, Ulm. Dann stieg Cäsar mit der großen Zinnkanne in den Keller hinab und holte Wein aus unserem „Fässle“ … Ein freudiges Erlebnis war uns der Nachmittag des 11. Septembers, an dem wir die Ehre hatten, den König von Bulgarien, den wir schon im vorigen Jahre begrüßen durften, bei uns zu sehen …

Es ist anzunehmen, dass Flaischlen einige der Gedichte in Ingelfingen verfasste, die in dem Band „Mandolinchen, Leierkastenmann und Kuckuck“ enthalten sind. Diese Gedichtesammlung hat seine Frau 1921 herausgegeben.“ Noni Loni wurde im Schloß druckfertig gemacht.

 

Marbach

Info des Stadtarchivs Marbach: Die Cäsar-Flaischlen-Straße wurde 1929 nach dem Dichter benannt. Anläßlich der Durchführung der straßenweisen Neunummerierung der Gebäude der Stadt erhielten einige Straße erstmals Namen.

Das Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA Marbach) bewahrt den Nachlass von Cäsar Flaischlen unter der Bestandssignatur A:Flaischlen, Cäsar auf.

 

Stuttgart

Cäsar Flaischlen wurde am 12. Mai 1864 in Stuttgart im Haus Rotebühlstraße 63 geboren.

Info des Stadtarchivs Stuttgart: Im Stadtarchiv können noch heute die Straßenbenennungsakten eingesehen werden; die einschlägigen Ratsprotokolle sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Darüber hinaus befinden sich in der Autographensammlung des Stadtarchivs Stuttgart eine größere Zahl von Briefen Cäsar Flaischlens. Auch die personengeschichtlichen Sammlungen enthalten vielfältige Unterlagen zur Person Flaischlens und in geringerem Umfang auch über die nach ihm benannte Straße.

Aus Anlaß des 75. Todestages des bedeutenden Literaten erschien in der Stuttgarter Zeitung nachstehende Glosse (Auszug aus der Stuttgarter Zeitung vom 14. Oktober 1995):

Sonne im Herzen
Ave Cäsar
Unvergessen! So schwören oft Hinterbliebene, wenn ein lieber Mensch das Zeitliche gesegnet hat. Gleich darauf bricht die große Erinnerungsschwäche aus. Unser Gedächtnis hat keine Marathonqualitäten. So ergeht es auch Cäsar. Nein, nicht dem römischen Feldherrn, sondern dem Stuttgarter Schriftsteller mit dem schönen Namen Cäsar Flaischlen. Auch ihm haben sie vor 75 Jahren ewiges Andenken geschworen, nachdem er am 16. Oktober 1920 sechsundfünfzigjährig in einem Sanatorium bei Gundelsheim verblichen war. Und heute? Ja, ja, wir haben die Cäsar-Flaischlen-Straße nahe dem Stuttgarter Herdweg. Aber wer, bitte schön, kennt noch eines seiner Dramen? Wer kann noch eines seiner Gedichte aufsagen? Eben.
Dabei war dieser Cäsar, als Sohn eines Hauptmanns 1864 in der Rotebühlstraße geboren, ein Feldherr des Wortes. Als Schüler des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums schmiedete er Verse. Als Lehrling in der Metzlerschen Buchhandlung nahm er, der Seriositiit zuliebe, den Vornamen Otto an und reimte ohne Unterlaß weiter. Und als er nach Studien in Berlin und Leipzig schließlich den Doktortitel errang, hatte er seinen ersten Gedichtband längst heraus gegeben. Er lebte nur, wenn er schrieb.
Weil er – auch so einer – schon damals fürchtete, daß „in Stuttgart mein Lorbeer nie und nimmermehr blüht“, emigrierte er 1890 nach Berlin, wurde Literaturredakteuer, schrieb Gedichte, Schauspiele und Aphorismen~ und wurde in den höchsten Tönen gerühmt: als „Beichtvater der gesamten jüngeren Dichtergeneration“, als „Revolutionär“. Und so weiter und so fort. Bloß in der schwäbischen Literaturgeschichte mäkelte einer herum, man vermisse „die Reife des fertigen Künstlers“. Und zu seinem 40. Todestag bescheinigte ihm ein hochmögender Rezensent, Cäsar sei halt ein schwungvoller Stilisierer gewesen, aber „kein großer Dichter“.
Wir wollen dieses Urteil nicht anfechten. Wir stellen nur mit banausenhafter Genugtuung fest, daß exakt jene Verse überlebt haben, die dem Poeten Flaischlen einst Hohn und Spott der Literaturkritik eingetragen haben. Er war eben nicht nur ein ehrgeizige Poet, sondern auch ein schwäbischer Romantiker, dem ein wärmender Sonnenstrahl über alles ging. Deshalb veröffentlichte er den Gedichtband „Von Alltag und Sonne“, dessen Auflage zweihunderttausend Exemplare überschritt. Ein richtiger Bestseller also.
Und genau in diesem Werk steht das Gedicht, das viele noch kennen, ohne zu wissen, daß es Cäsars Werk war: „Hab Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit … hab Sonne im Herzen, dann komme was mag: das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag.“ Klar, für solche Reime gibt es keinen Stammplatz in der Literaturgeschichte. Eher schon im hintersten Winkel mancher. Leserherzen. Wo es gemütlicher ist, mag jeder selbst entscheiden.
Modern, berühmt, en vogue, in, aktuell, geil: nein, das ist er nicht mehr, unser Dichter Cäsar. Aber lesenswert sind seine Stücke noch immer, vor allem, wenn sie auf Stuttgart von anno dazumal anspielen. Und wenn sich jemand, zum Beispiel vom verehrlichen Schriftstellerverband, am Montag die Mühe machte, dem Kollegen zum Todestag ein Ave-Cäsar-Sträußle aufs Grab zu legen (Adresse? Pragfriedhof, vorderer Teil, vor dem Krematorium!), dann hätte dies wenigstens etwas Gutes: Dann wären die damaligen „Unvergessen!“ Schwüre ausnahmsweise nicht ganz verlogen gewesen.
Martin Hohnecker

 

In der Cäsar-Flaischlen-Straße in Stuttgart erinnern Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus:
Cäsar-Flaischlen-Straße 37 (Stuttgart-Nord): Drei Stolpersteine wurden für die Familie Engländer verlegt:
Friederike Engländer (geb. 1866) – floh 1939 in die Niederlande, wurde 1943 im Lager Westerbork interniert und am 12. Juni 1943 ermordet.
Ernst Engländer (geb. 1894) – 1938 im KZ Dachau in „Schutzhaft“, floh 1939 in die Niederlande, deportiert nach Auschwitz und am 18. August 1942 ermordet.
Walter Engländer (geb. 1895) – starb im März 1945 in den Niederlanden.
Cäsar-Flaischlen-Straße 7: Stolpersteine erinnern hier unter anderem an Selma und Gottfried Gumbel..

 

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